Stefan Danaerde, Kollision mit UFO

1967, Juli. Der bekannte holländische Industrielle Stefan DANAERDE ist zum Segeln auf der Oosterschelde, einem abgedämmten Nordsee-Arm. Die Yacht liegt vor Anker, als sein Sohn ihm meldet, daß der Kompass defekt ist. Da es ein herrlicher Sommerabend ist und das Wasser ruhig beachtet DANAERDE dies nicht sonderlich.

Am Abend startet er den Motor des Schiffes, steuert auf die Fahrrinne nach Burgluis zu, als mitten in dieser absoluten Verlassenheit plötzlich ein grelles, blauweißes Suchlicht aufflammt. Ein schneidendes Geräusch ertönt. Mit beängstigendem Ruck läuft das Schiff auf einen festen Gegenstand auf, ein flaches Ding.
Wieder geht das Suchlicht an. DANAERDE sieht einen scheinbar leblosen Körper auf dem Wasser treiben. Sofort springt er in die Nordsee, um den Ertrinkenden zu bergen. Erst als er ihn an Bord heben will, bemerkt er die feste, metallartige Montur, die der 'Mensch' trägt, die Kugel, in der sein Kopf steckt. Das Suchlicht ist jetzt voll auf sein Boot gerichtet.

Auf der Metallscheibe, auf die sein Schiff aufgelaufen ist, erscheint eine dunkle Gestalt, die mit Trippel-Schrittchen herbeieilt. Plötzlich bekommt DANAERDE schreckliche Angst. Weder das Wesen, das er gerade gerettet hat, noch dieser sind Menschen.

Sie sind von humanoiden Aussehen, 1.40m groß, tragen einem Raumanzug verziert mit reichen Ornamenten, haben eine hohe Stirn, spitze Ohren, einen schweren Augenbrauen-Wulst und geteilte Stirnlappen, die den Anfang eines Wulst bilden, der sich vertikal über den Schädel zieht. Eine mechanische Stimme fragt DANAERDE in gebrochenem Enlisch -

'Can understand you us?' - 'Yes, I do.' - 'Wir Dir danken. Du gerettet Leben einem von uns.' - 'Oh, in Ordnung. Wer seid Ihr?' - 'Wir Besucher ein anderer Planet.' - 'Seid Ihr schon lange hier?' - 'Nicht direkt hier, aber wir schon geraume Zeit auf Erde.' - 'Warum halten Sie sich verborgen? Warum kein Kontakt mit uns?' - 'Aus dem Grund, weil Sie Gesetze einer hohen Kultur noch nicht kennen.'

Der Außerirdische bietet DANAERDE als Dank für die Rettung seines Kameraden ein Geschenk an, ein Stück Metall von seinem Schiff, als Beweis für dieses Erlebnis oder ein Gespräch, eine Belehrung von zwei Tagen Länge. DANAERDE wählt das Letztere. Die nächsten beiden Tage wird er an Bord des fremden Raum-Schiffs belehrt, werden ihm via Computer und Television Bilder des Planeten JARGA gezeigt, der Heimatwelt seiner außerirdischen Freunde. Sie zeigen ihm das Schiff, erklären aber, daß sie keinerlei technische Informationen geben können mit dem Hinweis :

'Das gefährlichste Natur-Gesetz, das den Zivilisations-Prozeß einer intelligenten Rasse regelt, lautet - eine hohe technische Entwicklung beseitigt alle Diskriminierungen unter Strafe der Selbst-Vernichtung. Das bedeutet, es ist ein Verbrechen, einer diskriminierenden Rasse technisches Know-How zu liefern, denn das vergrößert die Gefahr des Untergangs. Das einzige, was ihr nötig habt, sind Informationen auf der Ebene gesellschaftlicher Beziehungen.'

DANAERDE erhält von den Jarganern diese Erklärung -

'Unser Planet JARGA ist etwa 10 Lichtjahre von der Erde entfernt, etwas größer als diese. Die Atmosphäre hat eine grüne Nebelzone, die das Sonnenlicht filtert. Auf JARGA gibt es keinerlei gesellschaftliche Unterschiede, es herrscht eine Art Super-Kommunismus.

Die Menschen leben auf diesem überbevölkerten Planeten in gewaltigen Zylindern, die aber äußerst komfortabel ausgestattet und durch Magnet-Bahnen miteinander verbunden sind. Das Wirtschafts-System ist eine Art Plan-Wirtschaft 'mit einem systematischen Wirtschafts-Plan', der auf die wirksamste Weise das Ziel anstrebt, mittels vollständiger Bedürfnis-Befriedigung den Menschen so weit von materiellen Einflüssen zu befreien, daß diese keinen Einfluß mehr auf seine Verhaltens-Motivierung ausüben. Mit anderen Worten, wir sorgen dafür, daß jeder Mensch so viel zur Verfügung hat, daß er sich nicht mehr für materielle Güter interessiert. Der erste Schritt dazu war 'die konsequente Liquidierung aller Diskriminierungen'. Wenn alle alles haben und jeder das Gleiche oder das, was er will, ist die Gesellschaft stabil. Geld und Besitz sind das Zeichen eines sehr primitiven Kulur-Niveaus.

Der real existierende Kommunismus auf der Erde hat den Fehler des falschen Ausgangspunktes einer staatsgelenkten Wirtschaft statt des gemeinsamen Eigentums und Wohlstandes. Die Wirtschaft muß in den Händen der Wirtschafts-Führer, nicht des Staates liegen. Die Gesamt-Produktion von Gütern und Dienst-Leistungen befindet sich auf JARGA in den Händen weniger gewaltiger Gesellschaften, der 'Trusts'. Es gibt primäre Trusts, die mittels eigener Verteilungs-Kanäle mit dem Konsumenten in Kontakt treten und sekundäre Trusts, die den primären Zulieferungs-Dienst leisten. Auf JARGA gibt es kein Geld, es wird nicht bezahlt sondern registriert. Jeder Wohn-Zylinder hat dafür sein eigenes Computer-System.

Für große 'Anschaffungen' kann man das (vorübergehende) Gebrauchs-Recht erwerben. Für weniger teure Gebrauchs-Gegenstände bekommt man das Gebrauchs-Recht für das ganze Leben. Verbrauchs-Artikel bekommt man in den Mengen, die man selber verbrauchen kann. Da Gebrauchs-Gegenstände faktisch Eigentum des Trusts bleiben, der sie geliefert hat, trägt er auch die Fürsorge für Pflege und Reparaturen. Jeder Trust handhabt eine konstante Investitions-Lenkung zur Ergänzung und Ausbreitung seiner Produktions-Mittel, Konjunktur-Schwankungen gibt es daher nicht. Alles ist auf eine ständige Effizienz-Steigerung hin budgetiert und geplant, was zu wahren Leistungen der Superlative führte.
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An der Spitze eines jeden Trusts steht ein Präsident, der Mitglied der Produktions-Gruppe der Welt-Regierung ist. Die Trusts machen sich gegenseitig Konkurrenz in der Steigerung der Effizienz. Aber auch die so mächtigen Präsidenten leben nicht anders als ihre Arbeiter. Ihr Anspruch auf 'Gebrauchsrechts-Punkte' liegt nur beim Vierfachen des Existenz-Minimums. Den Konsumbedarf ermittelt eine weltweite Verbraucher-Zentrale, die 'Werteinheiten' sind 'URAS' als Arbeits-Einheiten. Das Minimum liegt bei zwei URAS pro Stunde, das Maximum für ein Ehepaar bei acht URAS.

Wie verteilen nun die JARGANer ihren Wohlstand gerecht? Sie teilen den Wert der gesamten Unkosten, die der Wohlstand mit sich bringt auf das Gesamt-Einkommen der Welt-Bevölkerung auf, so entsteht der Makro-Faktor. Das ist die Zahl, mit der die Selbstkosten-Preise der Trusts multipliziert werden müssen, um den Preis für die Konsumenten zu bestimmen. Das heißt, es wird die Produktion unter Berücksichtigung der notwendigen Vorräte unter die Gesamtzahl der vorhandenen Menschen aufgeteilt in Form des Gebrauchs-Rechts. Steuern gibt es auf JARGA nicht, das Gemeinwesen wird über die 'Wohlstands-Produktion' von den Trusts bezahlt. Der große Wohlstand ist schon dadurch möglich, daß tatsächlich 100% der arbeitenden Bevölkerung daran arbeitet und für die JARGANer unnütze Jobs und Ausgabe-Faktoren wie Militär, Werbung, Steuerberufe, Verkäufer usw. entfallen. Zudem sind es nicht nur materielle Anreize, die jedem JARGAner dazu bringen, sein Bestes zu leisten, es ist auch ihr ausgeprägtes Sozial-Gefühl.

Die Selbstlosigkeit ist die Selektions-Norm für die Unsterblichkeit einer intelligenten Rasse und zugleich Grund-Voraussetzung für persönliches Glück. Für JARGAner ist Glück die Erfüllung im Erreichen selbstgewählter Ziele, also eine unbewußte Wertmessung seiner selbst. Das individuelle Streben nach einem selbstgewählten Ziel schafft die Kreativität eines Menschen-Lebens. Kreativität ist das höchste Ideal der JARGAnischen Zivilisation, immaterielle Kreativität, das Streben nach Verbesserung der Lebens-Umstände anderer. Die Freiheit von allem materiellen Streben auf JARGA, die Sicherung der Lebens-Grundlage, ermöglicht seinen Bewohnern die freie, ungehinderte Entfaltung ihrer Kreativität.

Tatsächlich verehren die JARGAner Gott als die 'OMNIKREATIVITÄT', die kreative Kraft des Universums, die unermeßliche Intelligenz, die den Enstehungs- und Instandhaltungs-Prozeß der Schöpfung lenkt. Sie erfahren Gott 'in jeder guten Tat und jedem selbstlosen Gedanken' im Dienste der Gesamtheit der Schöpfung. Das höchste Ziel einer kulturellen Entwicklung ist der 'Übermensch', ein 'intelligentes und geistig entwickeltes Wesen, das nur inmitten einer großen gleichgesinnten Gruppe glücklich sein kann. ... 'Andere denken an mein Lebens-Glück, ich allein an das der anderen.' Christus war der erste 'omnikreative Übermensch' auf der Erde, lebendiges Beispiel für uns alle. Eine Zivilisation, die so denkt, betrachtet natürlich auch die Umwelt als Teil des Ganzen und bezieht in ihre 'Effizienz-Steigerung' auch die Entwicklung einer ökologisch optimalen 'sanften' Technologie ein.'


So schwer es für den westlich geprägten Industriellen DANAERDE ist, den Sozial-Vorstellungen der JARGAner zu folgen, so macht es ihn doch nachdenklich. Bis auf den heutigen Tag steht er seitdem in regelmäßigen Kontakt mit den Außerirdischen von JARGA.

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